Bericht zur neuen Motorrad-Grand Prix-Königsklasse "MotoGP":       Zurück

Ab der Saison 2002 sind wieder 4-Takt-Motoren in der Königsklasse des
Motorrad-Grand Prix's erlaubt. Hintergrund war, das man diese Klasse mit ähnlicher
Technik, wie z. B. in der Formel 1, aufwerten wollte, um wieder mehr Zuschauer anzulocken.

Das neue Reglement sieht jetzt neben den bisherigen 500ccm 2-Takt-Motorrädern mit
3- und 4 Zylinder-Motoren nun auch 4-Takt-Motorräder mit bis zu 990ccm vor. Diese
werden je nach Zylinderzahl in zwei verschiedene Gewichtsklassen eingeteilt:

   2- und 3 Zylinder bis 990ccm = Mindestgewicht von 135 kg
   4- und Mehrzylinder bis 990ccm = Mindestgewicht von 145 kg.

Somit fahren in der Saison 2002 500ccm 2-Takter gegen 990ccm 4-Takter.

Bei den neuen 4-Taktern darf es sich nicht um verbesserte Superbike's handeln, sondern
um reinrassige Prototypen mit maximaler Motorleistung. Honda hat sich als grösster
Hersteller schon vor anderthalb Jahren mit dem Thema intensiv auseinander gesetzt und
dabei eine V5-Maschine mit 990ccm entwickelt. Dabei konnte man aus dem grossen 4-Takt-
Erfahrungsfundus zurückgreifen, den man unter anderem in der Formel 1 und mit der NR 500-
4 Takt-Rennmaschine in den 80er-Jahren gesammelt hat.

Auf dem Foto sieht man die neue Honda
RC211V mit Valentino Rossi.

Mit diesem neuen 4-Takter konnte
Honda beim Debüt-GP 2002 in Suzuka gegen
die etablierten 2-Takter und die anderen
neuen 4-Takter von Suzuki, Yamaha und
Aprilia gewinnen.

Die Leistung beträgt in etwa 230 PS bei

ca. 14.000 U/min. Dabei kann es sich Honda erlauben auf so exotische Technik, wie z. B.
pneumatische Ventilbetätigung zu verzichten. Der Motor wird von einer Benzineinspritzung
versorgt.
Das Chassis ist eigens für dieses Motorrad entwickelt worden. Honda setzt 2002
zwei RC211V mit Rossi und Ukawa ein.

Das zweite 4-Takt MotoGP-Bike ist die Yamaha YZR-M1 mit einem 4-Zylinder Reihenmotor.
M1 steht übrigens für "Mission One". Der Motor entstammt vom Konzept her, von dem R7-
Superbike ab, hat 5-Ventile je Brennraum und erstaunlicherweise nur eine Vergaserbatterie.
Demzufolge klagen die Werksfahrer Biaggi und Checa über schlechte Fahrbarkeit und
Leistungsmangel.

Auf dem Bild rechts sieht man die Yamha YZR-M1,
mit Biaggi.

Das Chassis ist von der 500ccm YZR 2-Takt-Renn-
maschine übernommen worden und nur in den
erforderlichen Bereichen angepasst worden.

Yamaha hat noch nicht einmal die 990ccm Hubraumlimit
ausgeschöpft, sondern verwendet nur ca. 940ccm.
Es wird bereits aber über ein Re-Design des Motors ge-
sprochen, da die Honda RC211V zu überlegen ist. Dann soll der volle Hubraum ausgenützt werden,
und eine Einspritzung nachgereicht werden. Beim ersten Rennen hatte die Yamaha allerdings den
wildesten und brachialsten Sound, der am ehesten den Formel-1 Motoren ähnelte. Yamaha setzt
2 Werksmaschinen YZR-M1 mit Biaggi und Checa ein. Noch eine Besonderheit: Die Kurbelwelle dreht
bei der Yamaha rückwärts.

Völlig unerwartet entschied sich auch Suzuki schon in der Saison 2002 mit einer 4-Takt Maschine an den
Start zu gehen. Es wurde eine V4-Zylinder-Maschine entwickelt. Der Motor sitzt in dem angepassten
Chassis der Vorjahres 2-Takt RGV 500. Das neue Modell lautet auf den Namen GSR-V XERO. Der
Motor ist mit einer Benzineinspritzung ausgestattet. Der Motor dürfte um die 200 PS leisten und hat
in Suzuka beim Debüt Platz 2 hinter Rossi mit dem Wildcard-Piloten Rio erreicht.

Links ist die neue Suzuki GSR-V XERO  zu sehen,
die in der Saison 2002 von Kenny Roberts und
Sete Gibernau gefahren wird.

Die Vorjahres 2-Takter RGV 500 sind
komplett zurück gezogen worden.

Suzuki hat dieses neue MotoGP-Motorrad in sehr
kurzer Zeit entwickelt und auf die Räder gestellt.

 


Auch das kleine italienische Aprilia-Werk hat sich in die MotoGP-WM gewagt, mit einem nach der
Honda ebenfalls sehr aufwendigem Motorenkonzept. Man verwendet einen Reihen-Dreizylinder-
4-Taktmotor. Dieser wurde mit dem englischem Formel 1-Motorenhersteller Cosworth entwickelt.

Der Motor wird von einer pneumatischen Ventilbetätigung gesteuert,
man verwendet zusätzlich zur Einspritzung Drive-By-Wire, also
elektronische Gas-Dosierung der Drosselklappen, wie auch in der
Formel 1.

Rechts auf dem Bild ist die neue Aprilia RS3 mit Regis Laconi zu
sehen, dem einzigen Werksfahrer in der Saison 2002.

Leider leidet das Motorrad noch unter ca. 19 kg Übergewicht und
erreicht somit nicht das optimale Mindestgewicht für Dreizylinder
von nur 135 kg. Im ersten Rennen in Suzuka war diese Maschine
dementsprechend auch gegen die alte 2-Takt-Konkurrenz noch nicht
so gut unterwegs. Allerdings benötigt Aprilia auch noch Entwicklungs-
zeit. Bei dem 3 Zylinder dreht ebenfalls wie bei der Yamaha die
Kurbelwelle rückwärts.

Was bringt die Zukunft in der neuen MotoGP-Klasse: Kawasaki kommt vermutlich noch zum Ende
dieser Saison mit einem klassischem Reihen-Vierzylinder 4-Takter.

Links der Prototyp der neuen Kawasaki MotoGP
Maschine mit dem Namen Ninja ZX-RR.

Der Motor bassiert im zur Zeit noch stark auf
dem Superbike ZX-7RR Motor und hat deshalb im
Moment nur ca. 900ccm. Die Leistung beträgt ca.
195 PS. Zum jetzigen Zeitpunkt wird noch mit
Vergasern getestet, aber beim MotoGP-Einstieg
soll der Motor über Einspritzung verfügen.

 

Auf der rechten Seite sieht man das vermutlich schönste
MotoGP Bike, was uns in der Saison 2003 erwartet.

Es handelt sich dabei um die Ducati Desmosedici. Hierbei
handelt es sich um eine V4-Zylinder Maschine mit 990ccm,
desmodromischer Ventilbetätigung (Ducati-Typisch!).

Der Motor wird über Einspritzung verfügen. Der Auspuff ist
wie bei den Superbikes 916/996/998 unter den Höcker
hochgezogen.

Als Fahrer wird der Superbike Weltmeister Troy Bayliss
gehandelt.

 

Dann gibt es da noch Meldungen über BMW, die mit einer Reihen-Dreizylinder kommen wollen und
KTM und MUZ wollen mit V4-Modellen kommen. Bei MUZ spricht man sogar von einem Comeback
von Ralf Waldmann als 4-Takt-MotoGP-Piloten. Die Frage ist nur, wie das finanziert werden soll.
Auch von Sauber SPE, schweizer Formel 1 Team, wurde durch den ehemaligen Ferrari Motoren-
Ingenieur Goto ein Dreizylinder MotoGP-Motor konstruiert, der jetzt aber doch nicht in der MotoGP-
WM eingesetzt wird, da sich kein Rennteam incl. Chassis für den Motor fand. Jetzt wird der Motor
für die Superbike WM 2002 umfunktioniert und durch ein neues SB-Team von Carl Foggarty
eingesetzt. 

Hintergrund dieses obigen, vielleicht für manchen ermüdenden Textes: Wer hat Spaß am 27.06. -
29.06.2002 mit nach Assen/NL zum GP zu kommen, um die oben beschriebenen spektakulären
4-Takt-Bikes mal aus nächster Nähe live zu sehen und zu hören? Bisher planen Assen Tom, Gerhard
und Maxe.M nach Assen zu fahren. Bei Interesse also rechtzeitig Bescheid sagen.    Zurück

Gross Berkel 16.04.2002, Maxe.M